Schlagwort-Archive: Weizenvollkornmehl

Gewürzbrot II / Test: Soehnle Page Aqua Proof

Dieses Rezept kommt aus einer Reihe an Brotrezepten, bei denen ich mit verschiedenen Gewürzmischungen herumprobiert habe. Diese sollen einerseits das Brotaroma untermalen, andererseits durch ihre phytotherapeutischen Wirkungen die Verdauung unterstützen.

Gleichzeitig nutze ich die Gelegenheit, um eine Küchenwaage zu testen und vorzustellen, die mir von der Firma Soehnle kostenfrei zugesandt wurde. Ihr wisst, daß ich wenn überhaupt nur selten in diesem Blog für Produkttests zur Verfügung stehe. Wenn überhaupt, dann sind es themenbezogene Produkte, die ich selbst gut gebrauchen kann und die hier hin passen. So wie in diesem Fall.

wald6

Page Küchenwaage neben Häussler Mühle

Die Page Aqua Proof ist eine neue Küchenwaage aus der Page-Serie, die ich aus Backkursen als relativ robust und praktisch kenne. Vor allem wegen der kleinen Größe – sie verschwindet problemlos in einer Küchenschublade. Das hat natürlich einen kleinen Haken: große Teigkessel (z.B. Häussler Alpha) verdecken das Display. Normale Teigkessel (wie z.B. Kenwood Major/Gourmet) passen aber perfekt.

Diese Waage nun ist wasserdicht. Nicht nur spritzwasserdicht, nein, sie kann sogar in der Spülmaschine mitgewaschen werden. Das ist nicht unpraktisch, wenn Teigreste an der Waage kleben, was beim Teigabwiegen ja nicht selten vorkommen kann. Ich habe es probiert und es funktioniert genau wie beschrieben. Gespannt bin ich, wie lange das gut geht. 3 Jahre Garantie werden gewährt.

Die Waage wiegt in 1 g Schritten und trägt bis zu 10 kg, was schon beachtlich ist, und genug Raum bietet auch bei größeren Teigmengen. Insgesamt bin ich mit der Waage zufrieden und vermisse lediglich das Wiegen in 0,1 g Schritten, das ich an meiner Standardwaage sehr schätze. Die ist aber wesentlich unförmiger. Die Soehnle wiegt genau, wie ein Vergleichs-Test mit der Kern-Laborwaage zeigt.

Nun aber zum Brotrezept.

In diesem Fall wird ein Grundrezept aus jeweils ca. 1/3 Waldstaudenroggen-Vollkornmehl, Weizenvollkornmehl und kleberstarkem Ruchmehl durch eine Mischung aus Fenchel, Kümmel und Beifuß ergänzt. Beifuß wird nicht allzu häufig in der Küche verwendet und wenn, dann zu kräftigeren Fleischsorten, denen er eine leicht herbe Note verleiht. Diese Note kommt von den darin vorhandenen Gerbsäuren. Gerbsäuren können die Produktion der Verdauungssäfte anregen und damit zur besseren Verdauung beitragen.

In kleinen Mengen verwandt, kommt das Herbe nicht zu stark zum Tragen und bei aromakräftigeren Teigen mit Sauerteig finde ich es als Kontrast durchaus interessant.

Gewürzmischung II

5 g Fenchelsamen
4 g Kümmelsamen
3 g Beifuß
In der Gewürzmühle fein mahlen.

Wie immer könnt ihr die Gewürzmischung auch weglassen, dann bekommt ihr ein leicht säuerliches dunkles Weizenmischbrot mit langer Frischhaltung. Statt Ruchmehl geht auch Weizenmehl 1050, dann bitte aber weniger Wasser am Ende des Knetens zugeben.

wald1

Mengen für 1 Brot aus der 1 kg Kastenform. Geht ggf. auch freigeschoben

Roggen-Sauerteig:
100 g Waldstaudenroggen-Vollkornmehl
100 g Wasser
10 g Anstellgut
Gut vermischen und 12-14 Stunden bei Raumtemp. reifen lassen.

Kürbiskern-Brühstück:

80 g Kürbiskerne
80 g Wasser kochend
Die Kürbiskerne rösten und mit dem kochenden Wasser übergießen. Abkühlen lassen. Vor dem Einkneten in den Teig gut abtropfen lassen.

Autolyseteig:
275 g Wasser (handwarm)
210 g Roggensauerteig
40 g Waldstaudenroggen-Vollkornmehl
165 g Weizenvollkornmehl
170 g Ruchmehl (oder Weizenmehl 1050)
(3 g Gewürzmischung II (s.o.))
Vermischen und 60 Minuten quellen lassen.

Hauptteig:
Autolyseteig
12 g Salz
3 g Frischhefe
12 g Honig

Gut verkneten, bis ein glatter Teig entstanden ist, der sich fast von der Schüssel löst. Dann schluckweise

55 g Wasser (weniger bei Weizenmehl 1050), danach
10 g Pflanzenöl

noch zusätzlich in den Teig einkneten. Zum Schluß das Kürbiskern-Brühstück vorsichtig in den Teig einkneten.

Den Teig in der Knetschüssel oder einer Teigwanne für 2-3 Stunden reifen lassen. Ein mal (nach 90-120 Minuten) dehnen und falten.

Dann den Teig auf die gut bemehlte Arbeitsfläche geben. Vorsichtig rund vorformen, dann lang stoßen. Der Teig ist bedingt durch den hohen Anteil an Vollkornmehl aus Weizen und Roggen nicht so elastisch wie ein Teig aus Auszugsmehlen. Nicht überstrapazieren! In die gefettete Kastenform legen. Alternativ kann der Teigling auch mit Schluß oben in ein bemehltes Gärkörbchen gelegt werden.

Gut abdecken und für 12 Stunden im Kühlschrank bei 5°C reifen lassen.

Am Backtag den Ofen auf 240°C gut vorheizen. Die Kastenform aus dem Kühlschrank direkt ohne Einschneiden einschießen, gut schwaden.

50-60 Minuten vollbraun ausbacken. Gut auskühlen lassen.

Heimkehrer-Brot

Jetzt kommt wieder das alljährliche Lamento des Brotdocs über schlechtes Brot in Feriendomizilen über die Feiertage. Glaubt ihr sicher.

Weit gefehlt. In diesem Jahr kann ich wirklich nicht klagen über die Brotqualität, die beim Frühstücksbuffet im Skiresort in Norwegen dargeboten wurde. Norwegen ist mir nicht gerade für eine große Brottradition bekannt. Doch scheint sich dort auch inzwischen einiges zu tun.

Ciabatta, das wirlich saftig und begeisternd großporig war. Weizensauerteigbrot mit Schrotanteil, toll gelockert und ebenfalls köstlich, und Haferbrot gehörten neben den unvermeidlichen Papp-Toastbroten für die Engländer zum Repertoire des Restaurants. Butter-Croissants und Schoko-Croissants mit vorzüglichem Geschmack, nahezu genau so gut wie in Frankreich. Und das frisch gebacken angeliefert, täglich. Davon können sich viele Hotels hierzulande eine im wahrsten Sinne des Wortes dicke Scheibe abschneiden. Da muß ich erst nach Norwegen fahren, um das mal zu erleben. Bravo!

Heim1

Trotzdem juckte es mir gestern in den Fingern, mal wieder mit einem Teig ´rumzumachen 😉 .

Schon vor dem Urlaub hatte ich Weizenvollkornmehl aus Resten gemahlen, das nun schon etwa drei Wochen gelagert hat. Damit ein Rezept gebastelt, mit 35 % der Mehlmenge in Vorteigen, nur sehr wenig Hefe, und zur Abrundung noch einer langen kalten Stückgare. Das Ergebnis ist begeisternd. Ein saftiges Weizenbrot mit hohem Vollkornanteil und offener Porung, das wir heute zum Frühstück mit Begeisterung verspeist haben. Durch den nicht zu hohen Flüssigkeitsanteil ist der Teig auch für Unerfahrenere gut zu kneten und zu formen.

Ein guter Backstart in das neue Jahr!

Heim3

Menge für 1 Brot aus dem 1 kg Gärkörbchen

Vorteig:
150 g Weizenvollkornmehl
150 g Wasser
0.2 g Frischhefe (ein erbsgroßes Stück)
Die Zutaten gut verrühren und 12 Stunden abgedeckt reifen lassen.

Hauptteig:
300 g Vorteig
150 g Lievito Madre / fester Weizensauerteig TA 150 direkt aus dem Kühlschrank
300 g Weizenvollkornmehl
150 g Weizenmehl 550
340 g Wasser (40°C), weitere 42 g Wasser für später abwiegen
14 g Salz
7 g Rohrohrzucker
1 g Frischhefe

Alle Zutaten außer die Hefe, Salz und Zucker für 2 langsam verrühren und dann 30 Minuten quellen lassen. Hefe, Salz und Zucker zugeben und für 6-8 Minuten auf zweiter Knetstufe kneten, bis sich der Teig fast vollständig vom Schüsselrand löst. Weiterkneten und die restlichen 42 g Wasser schluckweise unterkneten. Sobald sich der Teig wieder fast vollständig von der Schüssel löst das Kneten beenden.
Den Teig für 3 Stunden in eine eingeölte Teigwanne legen. Nach einer Stunde einmalig dehnen und falten.
Der Teig ist reif, wenn er sich mindestens verdoppelt bis verdreifacht hat.
Auf die gut bemehlte Arbeitsfläche geben und auch die Teigrückseite bemehlen. Mit den Händen die Teigränder in der Mitte übereinanderfalten und etwas andrücken, so daß ein runder Teigling entsteht. Den Teigling auf die entstandenen Falten wenden und noch etwas mit der Teigkarte rund schieben. Möglichst wenig Luft herausdrücken.
Mit dem Schluß unten in das bemehlte Gärkörbchen legen, gut abdecken und für 12 Stunden im 5 °C kalten Kühlschrank reifen lassen.
Am Backtag den Ofen gründlich auf 240 °C Ober-/Unterhitze vorheizen und das Brot direkt auf den Backstein auskippen (Schluss oben). Gut schwaden und die Temperatur auf 210 °C herunterregeln. Das Brot insgesamt 60 Minuten kräftig ausbacken.

Heim2

Doppelte Weizenbrötchen mit Vollkornanteil

Vor kurzem habe ich mich an die Röggelchen gewagt. Neben dem signifikanten Roggenanteil ist die Formung der Teiglinge als Doppelbrötchen eine Besonderheit. Meine erste Begegnung mit dieser Brötchenform liegt aber schon wesentlich länger zurück.
Mitte bis Ende der 80er-Jahre in meiner Jugend hatten meine Eltern im Rahmen eines Projektes unserer Kirchengemeinde die „Betreuung“ einer Familie in der Partnergemeinde in Polen übernommen. Es ging vor allem um dringend benötigte Dinge wie Kleidung, Medikamente und Lebensmittel, die sich damals dort viele Menschen nicht hinreichend leisten konnten. Diese Dinge wurden von unserer Gemeinde als Spenden gesammelt und dann von Gemeindemitgliedern als Hilfstransport nach Polen gebracht. Da wir Bekannte in der Nähe von Bautzen hatten, machten wir dort Zwischenstation. Dort aß ich erstmals solche DDR-Doppelbrötchen. Wir waren so begeistert vom Geschmack dieser Brötchen, daß wir auf dem Heimweg davon einen Vorrat mitnahmen und sie einfroren, um gelegentlich davon zu essen. Schon damals waren die Brötchen hierzulande wesentlich aufgeblasener und weniger aromatisch durch die zusgesetzten Backmittel und zu schnelle Teigführungen. Bei den DDR-Brötchen war das alles anders.
In Erinnerungen schwelgend habe ich dieses Rezept gebastelt, das auf Sauerteig und Vorteig setzt und auf einen signifikanten Vollkornmehlanteil. Die Brötchen schmecken ausgezeichnet aromatisch.

Bild

Vorteig TA 200:
150 g Weizenmehl 1050
150 g Wasser
1 g Frischhefe
Gut vermischen und 12 Stunden gehen lassen.

Sauerteig TA 200:
100 g Weizenmehl 1050
100 g Wasser
15 g Weizen-ASG
Gut vermischen und 12 Stunden gehen lassen.

Hauptteig TA 160:
Vorteig
Sauerteig
300 g Weizenvollkornmehl
450 g Weizenmehl 550
350 g Wasser
12 g Frischhefe
5 g Zucker
30 g Butter
20 g Salz
15 g Weizenmalzmehl (inaktiv)

Die Zutaten mit nicht zu schneller Knetgeschwindigkeit gut verkneten so daß ein nicht zu fester und glatter Teig entsteht. Diesen 90 Minuten ruhen lassen. Ganz am Anfang und nach 45 Minuten strecken und falten.
Dann den Teig auf die Arbeitsfläche geben, gründlich entgasen und Teigstücke a 50-55 g abstechen.
Diese rundwirken und jeweils 2 davon aneinanderlegen. Man kann sie nun so für 60 Minuten auf dem Backblech gehen lassen. Eine Alternative ist das Befeuchten und Wälzen in Saaten (hier: Mohn), was noch zusätzliches Aroma bringt.
Nach 60-70 Minuten (knappe bis volle Gare) werden die Brötchen mit viel Dampf in den 240° heißen Ofen eingeschossen. Den Dampf nach Abschluß des Ofentriebes ablassen und die Brötchen für insgesamt 20-25 Minuten bei 240° ausbacken, nicht allzu dunkel werden lassen.

Bild

Bild