Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich mein Standard-Rezept für selbstgemachte Butter-Croissants veröffentlicht. Schon dieses Rezept ergibt aromatische und schmackhafte Plundergebäcke. Die Kombination von Sauerteig mit süßem Hefeteig verspricht jedoch noch intensivere Aromen. Durch einiges Experimentieren mit der Teigzusammensetzung habe ich das oben genannte Rezept weiter entwickelt. Neben der Verwendung von 2 Vorteigen hat es sich für mich als sehr vorteilhaft erwiesen, Weizen und Dinkelmehl zu mischen. Reine Weizenteige werden beim Tourieren schnell störrisch und lassen sich schwer ausrollen, reine Dinkelteige sind wieder zu elastisch und “laminieren” nicht so schön. Die lange kalte Führung des bereits tourierten Hauptteiges bringt noch zusätzliche Aromen in den Teig. Funktionieren tut letzteres nur, wenn man die Hefemenge so reduziert, daß der Teig im Kühlschrank nicht wie ein Ballon aufgeht (das zerstört die Teigschichten) oder durch Verwendung von Bio-Frischhefe, die im Kühlschrank nur sehr wenig treibt. Also: die richtige Mischung machts und heraus kommen die wohl hübschesten und leckersten Croissants, die wir je gegessen haben.
Poolish-Vorteig TA200:
100 g Weizenmehl 550
100 g Wasser
1 g Frischhefe
Gut vermischen und 12 Stunden ruhen lassen.
Weizensauerteig TA 160:
50 g Weizenmehl 550
30 g Wasser (handwarm)
5 g Weizenanstellgut
Gut vermischen und auch 12 Stunden ruhen lassen
Hauptteig:
Sauerteig
Poolish
200 g Weizenmehl 550
200 g Dinkelmehl 630
180 g kalte Milch
28 g Bio-Frischhefe (oder 8 g normale Frischhefe)
35 g Zucker
40 g Butter
12 g Salz
250 g Butter für die Butterplatte
Den Hauptteig zu einem schön elastischen, glatten Teig auskneten (ca. 10-12 Minuten, Fenstertest) und ihn 60 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen. Die Butterplatte aus 250 g Butter zwischen zwei Frischhaltefolien ausrollen und ebenfalls noch mal kalt stellen.
Nun den Teig auf der bemehlten Arbeitsfläche etwa doppelt so groß ausrollen, wie die Butterplatte. Bilder der folgenden Schritte habe ich hier veröffentlicht, bei diesem Rezept wird genau so vorgegangen.
Die Butterplatte auflegen und den Teig zuklappen. Die Ränder gut andrücken und etwas gerade abstechen. Die erste einfache Tour geben. Den Teig nochmals ausrollen und sofort die zweite einfache Tour geben, dies geht wegen der durch das Dinkelmehl erreichten höheren Elastizität des Teiges sehr gut.
Den Teig nun für 60 Minuten abgedeckt in den Kühlschrank zum Entspannen stellen. Sodann ausrollen und die dritte einfache Tour geben und den Teig nun für 10-12 Stunden in den 4-5° kalten Kühlschrank zum reifen geben. Den Teigling mit einer Kunststofftüte überziehen, damit er nicht austrocknet.
Am Backtag den Teig aus dem Kühlschrank nehmen und 20-30 Minuten anwärmen lassen. Tut man das nicht, dann reißt die Teigoberfläche beim Ausrollen! Den Teig auf der bemehlten Arbeitsfläche länglich ausrollen bis auf etwa 5-7 mm Dicke. Mit einem langen Messer oder einer scharfen Teigkarte spitzwinklinge Dreiecke ausstechen, an der Basis der Dreiecke in der Mitte einen senkrechten, etwa 1-2 cm langen Einschnitt machen. Diesen etwas auseinanderziehen und die Teiglinge von der Basis her straff aufrollen und wie bei Croissants üblich halbmondförmig biegen.
Auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech 2 Stunden garen lassen. Aus einem Eigelb und 8 Eßlöffeln Milch sowie einer Prise Zucker und Salz eine Eistreiche herstellen. Mit einem weichen Pinsel die Teiglinge satt einpinseln.
In den auf 200° aufgeheizten Ofen geben und schwaden. Man lernt zwar, daß man bei Eistreichen nicht schwaden braucht, doch meine Erfahrung ist, daß Croissants noch besser aufgehen, wenn man es doch tut. Nun kann man sich dem Ofenkino hingeben, während Küche und angrenzende Räume sich mit dem süßlich-aromatischen Duft frisch gebackenen Feingebäcks füllen, daß allen das Wasser im Mund zusammenläuft.
Schwaden nach 10 Minuten ablassen und bis zur vollen Bräune ausbacken. Darauf Acht geben, daß sie nicht zu dunkel werden.
Bon appétit!












17 Antworten auf “Croissants au levain”
zorra
26. Januar 2013 um 16:32
Oh, die sehen perfekt aus! Rezept ist gespeichert für einem Moment wo ich wieder mal motiviert bin zu tourieren.
evazins
26. Januar 2013 um 22:32
Wow, vielen Dank für deine Recherchen! Ich bin schon ewig auf der Suche nach einem vernünftigen Blätterteigrezept (von sog. Blitzrezepten halte ich nicht viel). Deines tönt gut. Und wird probiert. Meinst du, man kann einen Teil des Teiges auch nach der dritten Tour einfrieren?
brotdoc
26. Januar 2013 um 22:44
Einen Versuch wäre es wert. Ich habe aber bisher keine Erfahrung mit der Gaerunterbrechung durch Einfrieren. In der industriellen Teigfertigung werden viele künstliche Hilfsmittel eingesetzt, um es zu ermöglichen. Ob es ohne auch geht – spannende Frage!
evazins
27. Januar 2013 um 10:04
Ok, dann probiere ich es aus und berichte
Bahar Hollensteiner
27. Januar 2013 um 18:04
Sehr lecker, hmmmmmmmm
Jan Gerpheide
28. Januar 2013 um 16:03
Fehlen da nicht die 250g Butter in der Auflistung für den Hauptteig?
Danke für das schöne Rezept. Wird bald ausprobiert.
brotdoc
28. Januar 2013 um 16:07
Die stehen zwar schon im Rezepttext, ich werde sie aber noch mal in der Auflistung dazu schreiben. Danke!
Monika
3. Februar 2013 um 18:34
Hammer! Die werde ich auch probieren…..nur beim studieren des Rezepts bin ich mir über das Zeitmanagement noch nicht so ganz schlüssig.
Wie stelle ich es an, wenn ich z.Bsp. Sonntag vormittag die Croissants fertig haben will.
Vorteig-Sauerteig herstellen…….dann Teigruhe und tourieren……aklimatisieren lassen…..Croissants basteln und dann lange Gare….backen…….bitte um Hilfestellung:-)
brotdoc
3. Februar 2013 um 18:59
Das ist gar nicht so kompliziert, wie es aussieht, wenn auch nicht mal eben gemacht.
Du müßtest z.B. am Vortag morgens um 6 Uhr den ST und den Poolish ansetzen. Abends könntest Du um 18 Uhr den Hauptteig kneten und ab 19.30 Uhr mit dem Tourieren beginnen. Bis 21 Uhr müßtest Du mit der dritten einfachen Tour fertig sein und den Teig über Nacht in die Kühlung geben. Am Backtag dann um 6 aufstehen, den Teig während der Morgenpflege 30 Minuten akklimatisieren lassen und ab 06.30 Uhr die Teiglinge formen. Spätestens 9 Uhr sind sie dann im Ofen und können ab 09.30 Uhr genossen werden.
Es ist wirklich weniger aufwendig, als es klingt. Poolish kann man auch 1-2 Tage im Kühlschrank aufbewahren, den Sauerteig vom Anstellgut abnehmen. Und die meiste Zeit kann man sich mit anderen Dingen befassen, während der Teig ruht.
Stefan Schuck
6. Februar 2013 um 14:59
Danke für das tolle Rezept und die perfekte, genaue Beschreibung. Ihre Erfahrung mit der geringen Treibkraft der Biohefe konnte ich nicht nachvollziehen: Habe die Biohefe der Marke Bioreal benutzt – und über Nacht hat sich der tourierte Teig mehr als verdoppelt – und die Frischhaltefolie, in die ich ihn eingepackt hatte, gesprengt. Das Ergebnis: lecker und locker, irgend wo in der Mitte zwischen deutschem Hefehörnchen und Croissant – mit deutlichem Hefegeschmack und nicht so ‘blättrig’ wie gute franz. croissants. Vermutlich habe ich den Teig wg. seines riesigen Volumens beim Ausrollen zu sehr misshandelt. (Übrigens habe ich Ähnliches bzgl Biohefe beim “Kipf”-Rezept festgestellt: Nach dem Gehen über Nacht hatte der Teig sich vervielfältigt und wäre mir fast entgegen gekommen…) Beim nächsten Mal werde ich wohl bei beiden Rezepten die Hefemenge reduzieren.
Nochmals vielen Dank für all Ihre kostbare Mühe!
Stefan
brotdoc
6. Februar 2013 um 20:54
Hallo Stefan,
einen solchen Trieb hatte ich mit der Bioreal-Hefe noch nie.
Könnte mir 2 Ursachen vorstellen:
1. Mein Kühschrank ist kälter. Ich stelle ihn immer auf 4-5° ein und das Liebherr-Gerät sorgt sehr verläßlich für eine niedrige Temperatur.
2. Meine Hefe war nicht mehr sehr frisch. Ich lagere sie oft für 2-4 Wochen, da ich auf Vorrat kaufe.
Beim Croissant-Teig würde ich empfehlen, es mal mit 8 g weniger Bio-Hefe zu probieren.
Stefan Schuck
7. Februar 2013 um 12:37
Hallo Brotdoc, danke für die schnelle Antwort. War in der Tat ganz frische Bioreal-Hefe. Werde es beim nächsten Mal wirklich mit 8g weniger Hefe und mehr Zärtlichkeit probieren.
Lutz
9. Februar 2013 um 11:29
Hallo Björn, habe ich richtig gezählt, dass du nur 3x3x3 (27) Butterschichten im Teig hast? Bei deinem alten Rezept waren es noch 81. Hast du Vor- oder Nachteile dadurch bemerkt? Ich überarbeite derzeit meine alten Croissantrezepte und nehme deines ebenfalls zur Anregung hinzu.
brotdoc
9. Februar 2013 um 12:48
Hallo Lutz, ja das ist korrekt. Es hat damit zu tun, den Teig für das letzte, dünnere Ausrollen elastisch genug zu halten. Auf der Suche nach Ursachen für das störrische Verhalten von Plunderteigen bin ich im Netz auf mehrere Aussagen gestoßen, die genau dies empfahlen (3 einfache Touren für Croissant-Teige). Seit ich das so mache und einen Teil des Weizenmehls mit Dinkelmehl ersetze, haben sich meine Probleme beim Tourieren und letzten Ausrollen minimiert.
Bei dem alten Rezept und anderen, die ich so gemacht habe, gab es das Problem, daß ich den Teig mit 81 Schichten nicht richtig dünn ausrollen konnte. Das sieht man den “Rohlingen” auch an.
Wie der Anschnitt des neuen Rezeptes zeigt, ergibt sich mit 27 Schichten eine ausreichend schöne Blätterung. Sie kommt zwar nicht ganz an txfarmers Kunstwerke heran, dürfte aber bei kaum einem Bäcker hierzulande so zu bekommen sein. Nicht zuletzt ist dieses Rezept auch wieder auf “Praktikabilität” für den armen streßgeplagten Hausarzt mit großer und immer größer werdender Praxis gemünzt
Bin natürlich schon gespannt auf Deine Erfahrungen und Ergebnisse.
Micha
8. März 2013 um 17:52
Super Optik!
Wenn ich mich mal wieder an Croissants mache, dann nach deinem Rezept!
brotdoc
8. März 2013 um 17:56
Danke
Olesja
12. März 2013 um 12:54
Hallo Bjorn, ich habe deine Crossants gestern nachgebacken. Ich kann nur sagen Klasse Rezept, bie mir sind es 11 St.geworden,aber dafür riesengross, geschmack einfach phantastisch um Welten besser als vom Bäcker.
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Croissants für alle! | missboulette 27. April 2013 um 15:16
[...] Hobbybäcker versteht und nach Teigperfektion strebt, sollte jetzt besser zu Plötzblog oder dem Brotdoc weiterklicken. Dort trifft man auf Perfektion und die Anleitungen, wie man diese erreicht. Doch was [...]
Croissants – Plötzblog – Rezepte rund ums Backen von Brot, Brötchen, Kuchen & Co. 18. Mai 2013 um 09:00
[…] hatte mich mit seinem neuen Croissantrezept etwas überrumpelt. Auch ich war gerade dabei, meine alten Rezepte zu einem neuen zusammenzufassen. […]