Getreidesortentest: Hartweizenmehle

Heute habe ich für Euch einen besonderen Bericht. Es geht um einen Getreidesortentest verschiedener Hartweizenmehle, den ich für die Uni Hohenheim durchführen durfte.

Inzwischen haben sich in den Hobbybrotbackgruppen bei Facebook unter den bunten Haufen von Amateuren und Halb-Profis auch ausgewachsene Fachleute gemischt. Bäcker, die dem Industrie-Einerlei abgeschworen haben, die wieder auf traditionelles sauberes Backen setzen, Bäckerlehrlinge und -gesellen, Müllerinnen und Müller wie auch andere Fachleute aus der Branche, zum Beispiel Getreideforscher.

Die ersten drei Sorten

Einer von ihnen ist Prof. Friedrich Longin, der die Arbeitsgruppe Weizen der Landessaatzuchtanstalt an der Uni Hohenheim wissenschaftlich leitet. Als ich um den Jahreswechsel herum einige Rezepte aus Hartweizenmehlen in den Gruppen vorgestellt und diskutiert habe, sprach er mich an, ob ich nicht Lust auf einen vergleichenden Backversuch verschiedener Hartweizensorten hätte.

Hintergrund der Forschung ist, dass die auch in Deutschland in nicht unbeträchtlichem Maße angebauten Hartweizensorten zwar ein gutes Grieß für die Nudelherstellung liefern, bei ebendieser Grießproduktion aber eine große Menge „Restmehl“ anfällt, welches sich bislang aufgrund der eher bescheidenen Backqualität nicht für das Brotbacken eignet. Solche Reste werden derzeit in der Produktion von Tierfutter verbraucht.

Longin hat nun einen Getreideanbauversuch gemacht, bei dem neue Hartweizensorten, die ursprünglich aus Mexiko stammen, auf ihre Eignung für das Brotbacken geprüft werden. Sollten sich Sorten finden, die bei Anbau in Deutschland eine sehr gute Eignung auch für das Brotbacken aufweisen, ließe sich eine wesentlich bessere Wertschöpfungskette darstellen.

Es handelt sich um sieben unterschiedliche Sorten, die für den Test mit den Bezeichnungen BC_001 – BC_007 benannt wurden. Ich erhielt jeweils etwa 1,5 kg feines Hartweizengrieß aus diesen Sorten. Zusätzlich wurden mir zwei aktuell übliche Hartweizengrieße aus den Sorten „Anvergur“ und „Wintergold“ zum Vergleich zugesandt.

Mehle 4 – 6

Für mein Rezept habe ich folgende Überlegungen angestellt:

  1. Ich möchte ein Rezept, bei dem möglichst wenige Einflüsse technischer Hilfsmittel eine Rolle spielen.
  2. Das Rezept soll so simpel wie möglich und die Arbeitsschritte so wenig zeitaufwendig wie möglich sein.
  3. Es soll bei allen 9 Mehlen gleiche Parameter haben, die sich ohne größeren Aufwand einhalten lassen.
  4. Die Brote sollen sich alle gleichzeitig in meinen beiden Öfen gleicher Bauart backen lassen.
Mehl 7, sowie Anvergur und Wintergold

Heraus kam ein Rezept, das auf reine Handknetung, Autolyse und gutes Dehnen und Falten setzt, sowie auf eine lange Gare bei Kellertemperatur. Mein Rezept habe ich vor dem Test einige Male an anderen Hartweizenmehlen ausprobiert, um die Triebmittelmenge und Reifezeit so anzupassen, dass es funktioniert. Hier ist es:

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Hartweizen-Stangen

Mein Rezept für einen Getreidesorten-Test der Uni Hohenheim
Reifezeit Hauptteig13 Stdn.
Produkt: Brot
Triebmittel: Weizensauerteig
Keyword: Hartweizenmehl, lange Gare
Portionen: 1 Brot/-e

Zutaten

  • 280 g Wasser leitungskalt
  • 400 g Hartweizenmehl/-griess (kann auch Mehlmischung sein)
  • 9 g Salz
  • 0,1 g Frischhefe (reiskorngroßes Stück)
  • 5 g Sauerteig-Anstellgut

Anleitungen

  • Die Zutaten verrühren und von Hand 3 – 4 Minuten zu einer Kugel kneten.
  • Teig 45 Minuten ruhen lassen.
  • Teig auf der nassen Arbeitsfläche auf eine Fläche von 50 x 60 cm ausziehen und wieder zusammenfalten. Zu einer Kugel formen.
  • Mit dem Schluss unten in einen Behälter legen.
  • 12 – 14 Stunden bei Kellertemperautur abgedeckt reifen lassen (16 – 17 °C).
  • Auf die Arbeitsfläche geben und rechteckig schieben.
  • Wie einen Geschäftsbrief zusammenfalten.
  • Straff zu einem Zylinder umschlagen und den Schluss zudrücken.
  • Mit Schluss oben in ein Leinentuch legen.
  • 45 Minuten reifen lassen. Ofen auf 240 °C vorheizen.
  • Auf Einschießer wenden und einschneiden.
  • Einschießen und gut schwaden.
  • 25 – 28 Minuten gut abbacken. Den Schwaden nach Abschluss des Ofentriebs ablassen.

Die Teige wurden so rasch wie möglich hintereinander gemischt, geknetet und weiterverarbeitet. Die Raumtemperaure betrug während des Tests 21 °C und die Teigtemperaturen lagen vor der langen Gare bei 22 – 22,5 °C. Die Teige standen 13 Stunden bei 17 °C auf dem Kellerboden.

Das Aufmachen der Brote fand wieder bei 21 °C statt, gebacken wurden sie in Siemens IQ7-Backöfen mit manueller Beschwadung bei 240 °C Heißluft.

Die Ergebnisse sind so unterschiedlich wie spannend. Zunächst ein vergleichendes Bild der Anschnitte:

Wie man sieht stechen bei meinem Backversuch sowohl vom Volumen als auch von der Porung her die Mehle BC_103, BC_104 und BC_107 hervor, wobei 106 und 102 auch nicht schlecht sind. 101 und 105 hingegen fallen deutlich ab. Anvergur hatte einen Wasserstreifen und Wintergold war sehr kompakt.

Wie mir Prof. Longin mitteilte, müssten bis auf BC_105 alle anderen sechs Sorten von den Laborparametern her sehr gute Backeigenschaften aufweisen, wobei BC_107 dort am besten abschneidet. Mein persönlicher Favorit wäre aber BC_104, das sowohl vom Volumen her, als auch von der Porung und dem Geschmack, sowie vom Mundgefühl das beste Ergebnis hervorbrachte.

Der Versuch war für mich sehr spannend und vergnüglich. Ich hoffe, mit meiner Arbeit ein wenig dazu beigetragen zu haben, dass Hartweizenmehl zukünftig mehr Verwendung findet in der deutschen Brotkultur. Verdient hätte es diese geschmacklich einzigartige Weizensorte allemal.

Mein Rezept könnt ihr mit allen guten Hartweizengrießen „Rimacinata“, seien sie nun aus Italien oder sogar aus Deutschland, verwenden. Auch eine Mischung mit Weizenmehl 550 oder Weizenvollkornmehl funktioniert. Es ist ein einfaches Basisrezept, das ihr mannigfaltig umbauen könnt.

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6 Gedanken zu „Getreidesortentest: Hartweizenmehle

  1. Paul Smith

    5 stars
    Dieser Artikel hat mir sehr gut gefallen, Björn. Wenn es Ihnen nichts ausmacht, ich habe mir erlaubt, diese Seite mit einer englischsprachigen Website (thefreshloaf.com) zu teilen – sehr zeitgemäß, da es in letzter Zeit einige Backen mit Rimacinata gegeben hat, über die berichtet wurde:

    https://www.thefreshloaf.com/node/70232/100-semola-rimicinata-batards#comment-505934

    und

    https://www.thefreshloaf.com/node/70092/100-semolina-rimacinata

    Ich danke Ihnen für diese interessante Studie. Sie scheint sehr vielversprechend zu sein.

    Antworten
    1. Sigrid Tataranno

      Danke für diese sehr interessante Studie.
      Das Rezept bzw. Den Teig werde ich heut noch ansetzen.
      Vielen Dank dafür.
      Mit besten Grüßen
      Sigrid Tataranno

      Antworten
  2. Silvia

    Hallo brotdoc,

    vielen Dank für die tolle Illustration, hat mir auch sehr gut gefallen.
    Das Rezept wird ausprobiert.

    Danke schön!

    Liebe Grüße
    Silvia

    Antworten

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