Käse-Kürbisbrötchen

Eine delikat-knusprige Angelegenheit sind sie, diese Käse-Kürbisbrötchen. Weizenpoolish und etwas Butter aromatisieren den Teig, und überbacken mit Kürbiskernen und Gouda-Käse reicht eigentlich Butter als Aufstrich völlig aus. Mir sind sie fast ein wenig dunkel geworden (etwas zu heiß angebacken), doch das ist Geschmackssache und tut der Qualität keinen Abbruch.
Zwei Dinge sind noch zu erwähnenswert: Mit diesen Brötchen beginnt ein ausführlicherer Mehltest von Mehlen der Bruckmayer-Mühle aus dem oberbayerischen Altötting. Nach sehr nettem Kontakt mit Junior-Chefin Veronika Bruckmayer habe ich mich entschlossen, ein paar Rezepte mit ihren Mehlen auszuprobieren. Die Mühle legt besonderen Wert auf die Verwendung regionalen Getreides.
Zum zweiten nehme ich mit diesem Rezept an Stefanies Blog-Geburtstagsevent “Frühstück bei Stefanie” teil, auch hier nochmals meinen herzlichsten Glückwunsch zum 6. Geburtstag Deines geistigen Kindes. ;-)

Kürbis2

Menge für 9 Brötchen (1 Blech)

Vorteig

130 g Weizenmehl 1050
130 g Wasser
0,2 g Frischhefe (erbsgroß)
Gut verrühren und 12-16 Stunden reifen lassen, sollte von feinen Blasen durchzogen sein und fruchtig riechen.

Hauptteig
Vorteig
317 g Weizenmehl 550
160 (+ 10 g) Wasser
7 g Frischhefe
9 g Salz
14 g Malzmehl inaktiv
10 g Butter (weich)
Kürbiskerne

Alle Zutaten in den Kneter geben.
10 g Wasser zurück halten, um sie je nach Teigkonsistenz später noch einkneten zu können. Ohne das zusätzliche Wasser beträgt die Hauptteig-TA etwa 165, mit 167. Es hängt etwas von der Aufnahmefähigkeit der verwendeten Mehle ab, welche TA angebracht ist. Die Mehle der Bruckmayer-Mühle scheinen recht viel Wasser aufzunehmen. Angestrebt ist jedenfalls ein mittelweicher Teig, damit die Krume später schön saftig wird.
Bei langsamster Knetstufe für 8-9 Minuten kneten. Die Knetgeschwindigkeit auf zweite Stufe erhöhen und kneten, bis der Teig glatt ist und sich von der Schüssel löst (etwa 2-4 Minuten). Nun je nach Konsistenz noch die 10 g Wasser einkneten. Die Teigtemperatur sollte zwischen 24 und 26°C liegen.
Den Teig abgedeckt für 60 Minuten ruhen lassen. Er sollte sich knapp verdoppelt haben.
Auf der Arbeitsfläche gut entgasen und 9 Stücke von ca. 85 g abstechen. Sofort rund schleifen. Die Oberfläche befeuchten und in Kürbiskernen wälzen.
Mit dem Schluß nach oben für 60 Minuten im Leinentuch reifen lassen (knappe Gare).
Auf den Einschießer wenden (Schluß unten) und eine quadratisch zugeschnittene Gouda-Käsescheibe auf die Oberseite auflegen.

Kürbis1

Bei 230°C in den gut vorgeheizten Ofen geben und schwaden. Nach 5 Minuten den Dampf ablassen und auf 200°C reduzieren (der Käse wird sonst zu schnell dunkel). Backzeit gesamt etwa 16-20 Minuten, am besten in den letzten Minuten auf Sicht backen.

Die Krume offenbart, daß die Mehle der Bruckmayer-Mühle wesentlich dunkler ausgemahlen sind, als meine Standard-Mehle der Adler-Mühle
Kürbis3

Ich möchte mich bei Veronika Bruckmayer dafür bedanken, daß sie mir die Mehle zum Test zur Verfügung gestellt hat.

Fachbegriffe…

Hier nur der kurze Hinweis: habe endlich einmal eine Liste der wichtigsten Fachbegriffe des Brotbackens erstellt. Ihr findet sie auf der Hauptseite rechts oben unter “Fachchinesisch”.
Die Liste ist absichtlich kurz und knapp gehalten, um die Übersichtlichkeit zu wahren. Wenn Euch Änderungen, Ergänzungen oder Fehler auffallen, bin ich für Rückmeldungen sehr dankbar.

Praktisch: neue Teigwannen

Eine der Fragen, die sich bei langen Teigführungen, vor allem im Kühlschrank, immer stellt ist jene, worin der Teig aufbewahrt werden sollte. Bislang habe ich entweder die runden Edelstahlschüsseln von Ikea oder große Kunststoffbehälter mit dicht schließendem Deckel verwandt. Beides nimmt viel Platz weg im Kühlschrank.
In Frankreich wurden andere Behälter verwendet. Hier kann man den Behälter während meines Backkurses in Verdelot rechts neben Benoît in Aktion sehen:

Wanne5

Diese Wannen können wir nun auch zuhause nutzen. Sie sind seit kurzem bei bongu.de bestellbar. Flachere Kunststoffwannen mit einem “Wendedeckel”, der entweder einen kleinen Lüftungsschlitz läßt, oder dicht aufgelegt werden kann. Zugleich erlaubt es der Behälter, im Kühlschrank gestapelt zu werden, so daß dort nicht so viel Platz gebraucht wird. Weiterer Vorteil: der Teig kommt rechteckig aus der Wanne und nicht rund, was das gleichmäßige Abstechen von Teiglingen sehr erleichtert.

Hier sieht man die Wanne mit einem frisch gekneteten Teig
Wanne1

Der Deckel mit kleinem Lüftungsschlitz (für sehr feuchte Teige).
Wanne2

Und andersherum gedreht dicht verschlossen.
Wanne3

Und hier sieht man zwei Wannen übereinander gestapelt.
Wanne4

Die Wannen sind vor allem für weiche Teige besonders geeignet, die nicht so bauchig aufgehen. Festere Teige stoßen aufgrund der geringen Höhe rasch an den Wannendeckel und können ihn anheben. Bei langen kalten Führungen kann das zu Überraschungen am Morgen führen. Hier muß die Teigmenge gut angepaßt werden und der Teig vor der kalten Gare sehr flach gedrückt in die Wanne kommen, um das zu verhindern. Meine besondere Empfehlung haben die Wannen daher vor allem für lange kalte Führungen mit weichen Teigen (z.B. Baguette). Hierfür sind sie ein gutdurchdachtes Hilfsmittel, das auch dem Hobbybäcker die Arbeit erleichtern und den Platz im Kühlschrank schonen kann.

Mein Dank geht an Schelli/bongu.de, der mir die Teigwannen zum Test überlassen hat

Magazin “Brot”

Die aktuelle Ausgabe des Lifestyle-Magazins “Brot” aus dem Jahr Top Special-Verlag in Hamburg, das sich dem Thema Brot mit ästhetischem Anspruch nähert, stellt fünf Brot-Blogger vor: Neben Lutz “Plötz” Geißler, Stefanie “Hefe und mehr..” Herberth, Gerhard “Ketex” Kellner und Sandra “bakingsandra” Lüderitz durfte auch ich ein Interview geben und ein Rezept einreichen.

Brot2

Ich freue mich natürlich über diese Presseveröffentlichung sehr. Es zeigt, daß wir Blogger in unserem Streben nach “sauberem” und gesundem Brot inzwischen wahrgenommen werden. Zwar ist aus dem eigentlich sehr ausführlichen Interview (3 DinA4-Seiten) nur ein Torso übriggeblieben, doch wenigstens einige Kernaussagen haben überlebt.
Neben “uns” bietet die aktuelle Ausgabe von “Brot” auch einige interessante Artikel und Interviews. Sie ist im gut sortierten Zeitschriftenhandel erhältlich.

Brot2_001

Liebster-Award

Nun bin ich auch an der Reihe und der Liebster-Award ist bei mir angekommen. Danke, Guido, für die Nominierung.

liebsteraward

Nüchtern betrachtet ist der Liebster-Award so etwas wie ein konstruktiv gemeinter Kettenbrief, der gut gemachte Blogs mit noch nicht so großer Follower-Zahl bekannter machen soll. Ich finde die Idee an sich nicht schlecht, habe mich aber entgegen der Regeln entschlossen, nur einen Lieblings-Blog zu nominieren. Wenn nämlich jeder 5-11 andere Blogs nominiert, dann läuft sich die Sache zu schnell tot oder es gibt ständig Doppelnominierungen. Und es nimmt den Kettenbrief-Charakter etwas zurück.

Nun zu Deinen Fragen, Guido:


1. Würdest du auch etwas auf deinem Blog veröffentlichen, das so richtig daneben ging?

Das mache ich eher selten. Das heißt nicht, das nichts schief geht. Manchmal bringt mich ein mißlungenes Rezept sogar in Bedrängnis, wenn gerade meine Beitrags-Warteschlange nicht gefüllt ist. Meist habe ich aber, wenn etwas schief geht, keine Lust mir die Mühe mit den Fotos zu machen. Wenn doch, dann kommt es natürlich in den Blog. Das Rezept wird dann überarbeitet und noch mal gebacken. In meinen Rezeptartikeln schreibe ich häufig, was schief gegangen ist.

2. Was ist deine liebste Sünde beim Essen?

Joppie-Sauße. Die könnte ich zu fast allen Speisen essen. (Für diejenigen, die nicht in der Nähe der holländischen Grenze wohnen: eine niederländische Würzsauße)

3. Blumen pflücken und in die Vase stellen oder in der Natur belassen?

Ich mag Blumen in ihrem natürlichen Umfeld am meisten, bewundere aber auch die Kunstfertigkeit, mit der manche Sträuße gebunden werden.

5. Hühnchen: Brust oder Keule?

Auf jeden Fall: Keule.

6. Grüner Frühling oder goldener Herbst?

Ich mag den Herbst mit seiner Farbenfreude etwas mehr, als den Frühling.

7. Wie oft guckst du dir die Statistiken deines Blogs an?

Etwa alle zwei bis drei Tage, manchmal auch nur ein mal die Woche. Ich freue mich natürlich über hohe Zugriffszahlen, lasse mich aber dadurch nicht unter Druck setzen.

8. Soll dein Blog dir auch mal Geld bringen?

Eher nicht. Die Bloggerei ist für mich ein Hobby und soll es auch bleiben. Ich finde es erstaunlich, wie viele Food-Blogger versuchen, sich Großunternehmen oder Restaurants anzudienen, um etwas umsonst zu bekommen. Dieses Verhalten hat inzwischen unschöne Ausmaße angenommen. Ich lehne Produkttests in meinem Blog nicht ab, würde aber niemals darum betteln. Wenn etwas zu meinem Blogthema passt und mir angeboten wird, dann teste ich es, schreibe aber dann auch einen ehrlich und unbeeinflußten Artikel darüber. Richtig Geld verdienen mit meinem Blog werde ich sicher nie. Dazu eignet sich mein Blogthema nur sehr eingeschränkt, wenn die Bloggerei weiterhin in der Freizeit betrieben werden soll.

9. Für wen schreibst du?

- Für Menschen, die dazu bereit sind, sich mit der Herstellung Ihrer Grundnahrungsmittel auseinanderzusetzen.
– Für Menschen, die nicht auf der Überholspur leben, die sich im Leben auch Gelassenheit und Gemütlichkeit bewahrt haben.
– Für Menschen, die erkennen, daß die moderne Lebensmittelproduktion und der Konsum in die Irre führen.
– Für Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen ihr Brot selbst backen müssen.
– Für Menschen, die Spaß an gesundem Essen haben und wissen wollen, woraus ihre Lebensmittel bestehen.
– Für all jene, die das Motto “Leben und leben lassen” nicht abstößt, die nicht ständig andere Menschen ändern wollen.

10. Fitnesscenter oder Laufschuhe / Fahrrad?

Oh je, leider bin ich im Hinblick auf Sport ein ziemlich fauler Geselle. Meine bessere Hälfte schafft es manchmal, daß ich mir die Walking-Stöcke schnappe und den Silbersee umrunde.

11. Achtest du auf die Linie oder bist du der Meinung eine Linie muss keine Gerade sein.

So wie alle Beleibten wäre ich gerne schlanker, habe mich aber nie lange genug zusammenreißen können. Vielleicht krieg ich ja irgendwann die Kurve… ;-) Aber meine Brote helfen nicht unbedingt dabei.

12. Was hat sich in deinem Leben durchs bloggen verändert?
Ich habe noch weniger Zeit. Dafür habe ich viele tolle Menschen mit ähnlichen Interessen kennengelernt und ein Hobby gefunden, das mir unheimlich viel gibt.

So, das waren meine Antworten.
Meine Nominierung geht an Bäckermeister Dietmar Kappl, dessen Blog ich mehrmals in der Woche besuche und den ich zu den tollsten Neu-Blogs des Jahres 2014 zähle. Was bislang an Informationen zum Thema Brotbacken dort zu finden ist, ist Weltklasse.

Lieber Didi, meine Fragen an Dich sind die Folgenden:

1. Wo hast Du das Backen gelernt?

2. War es schon immer Dein Wunsch, Bäcker zu werden?

3. Was ist Dir besonders wichtig beim Brotbacken?

4. Gibt es etwas, das Du nicht magst beim Brotbacken? Eine Aufgabe, die Du verabscheust?

5. Gutes Brot ist für Dich?

6. Wann hast Du zuletzt richtig schlechtes Brot gegessen?

7. Du bist Produktionsleiter einer Bäckerei, kannst Du im täglichen Betrieb viele Deiner Ideen umsetzen?

8. Was tust Du am liebsten, wenn Du frei hast?

9. Wenn Du essen gehst, dann eher deftig-traditionell oder lieber leicht-modern?

10. Wie denkst Du als Bäcker darüber, daß im Moment viele Menschen beginnen, ihr Brot wieder selbst zu backen?

11. Was glaubst Du, wird es in 50 Jahren noch traditionelle Bäckereien geben oder werden die Menschen dann Brot nur noch im Supermarkt und Backshop kaufen?

Das waren meine Fragen, ich freue mich schon auf Deine Antwort.
Der Vollständigkeit halber seien hier noch die Liebster-Blog-Awardregeln einkopiert:

Wer nominiert wurde halte sich bitte an die folgenden Regeln:

Danke der Person, die Dich für den Liebster Award nominiert hat und verlinke ihren Blog in Deinem Artikel.
Beantworte die 11 Fragen, die dir der Blogger, der dich nominiert hat, stellt.
Nominiere 5 bis 11 weitere Blogger für den Liebster Award, die bisher weniger als 1.000 Follower haben.
Stelle eine neue Liste mit 11 Fragen für Deine nominierten Blogger zusammen.
Schreibe diese Regeln in Deinen Liebster Award Blog Artikel.
Informiere Deine nominierten Blogger über den Blog Artikel.

Kartoffel-Baguettes

Dieses Rezept liegt seit etwa 6 Monaten auf meinem Schreibtisch. Die vorliegende ist die fünfte Version. Als problematisch hat sich erwiesen, daß Kartoffeln offenbar immer unterschiedliche Mengen Wasser in den Teig bringen. Kartoffeln enthalten durchschnittlich 77 % Wasser, aber richtig verläßlich ist diese Angabe nicht. Die meisten Versuche führten zu einem zu weichen oder zu klebrigen Teig. Nun meine ich einen guten Weg gefunden zu haben, Kartoffel-Baguettes zu backen.
Früher mag Kartoffel zum Strecken von Teigen gedient haben, als Mehl knapp und wertvoll war. Heute ist es eine delikate Zutat, die neben ihrem Geschmack dem Brot auch eine bessere Frischhaltung verleiht.
Achtung: in einer ersten Rezeptversion hat sich ein Fehler bei den Wassermengen eingeschlichen. Die korrekten Mengen sind nun vermerkt!

Kartoff2

Menge für 4 Baguettes

Vorteig:

125 g Weizenmehl T65
125 g Wasser
0,2 g Frischhefe
Gut vermischen und 12 Stunden reifen lassen. Der Vorteig sollte von vielen feinen Blasen durchzogen sein und aromatisch riechen.

Hauptteig:
Vorteig
375 g Weizenmehl T65
290215 g Wasser kalt (zunächst nur 250175 g zugeben, 40 g zurückhalten)
70 g frisch geriebene festkochende Kartoffel
11 g Salz
5 g Hefe

Vorteig, Mehl und 250 g des Wassers verkneten. Es entsteht ein mittelfester Teigballen. Diesen 20 Minuten ruhen lassen.
Die Hefe und das Salz zugeben und mit langsamer Geschwindigkeit weiter kneten für 3 Minuten.
Eine große festkochende Kartoffel schälen und fein reiben. 70 g zum vorgekneteten Teig geben und 4 Minuten bei zweiter Knetstufe in den Teig einkneten.
Nun langsam das restliche Wasser in den Teig einkneten, wenn er nicht schon sehr weich ist. Dies ist eine Frage der Teigbeobachtung, er sollte eine weiche aber dennoch elastische Konsistenz haben. Es ist keine Schande, wenn hier etwas Wasser übrig bleibt.
Den Teig nun abgedeckt 2 1/2 Stunden ruhen lassen. Nach 60 und 120 Minuten strecken und falten.
Auf der gut bemehlten Arbeitsfläche in 4 Teile teilen. Straff zu einem Zylinder aufrollen und etwa 30-35 cm lang ausrollen. Ggf. etwas entspannen lassen vor dem Ausrollen. Die Enden spitz zurollen.
Mit dem Schluß nach oben 30 Minuten im Bäckerleinen reifen lassen. Auf den Einschießer wenden, 3-4 x flach einschneiden und sofort mit viel Schwaden bei 250° einschießen. Den Dampf nach 2-3 Minuten ablassen, wenn die Baguettes an Volumen gewinnen und zu beobachten ist, daß die Schnitte etwas aufgehen. Auf diese Weise wird ein besonders schöner Ausbund erreicht. Die Temperatur auf 230° reduzieren.
Die gesamte Backzeit beträgt 20 Minuten.

Kartoff1

Kartoff3

Dans d’excellentes boulangeries parisiennes

Highlight unseres dritten Besuchs-Tages in Frankreich war eine Führung durch einige der hervorragendsten Bäckereien von Paris. Hierfür nahm sich David Bourgeois, Mühlenchef der Moulins Bourgeois, dessen Aufgabe unter anderem die persönliche Betreuung der von der Mühle versorgten Pariser Bäckereien ist, mehr als einen halben Tag Zeit.
Die Bourgeois-Mühle versorgt knapp 150 der 1000 in der Innenstadt von Paris befindlichen Boulangerien mit ihren Mehlspezialitäten. Dank David konnten wir in fast allen Bäckereien einen Blick hinter die Kulissen werfen, sprich in die Backstube hinein. Eine große Besonderheit in Frankreich und insbesondere in Paris ist, daß die meisten Boulangerien nur einmal existieren. Ein Inhaber, eine Backstube, ein Verkaufsraum. Filialen sind mehr als unüblich und – wenn ich es richtig verstanden habe – ist es auch nicht gestattet, Brot mit dem Zusatz “traditionelle Art” zentral zu produzieren und in Filialen zu verkaufen.
Davon können wir in Deutschland nur träumen! Die beengten Verhältnisse in der Innenstadt von Paris spürt man natürlich auch in den Bäckereien. Die Produktion spielt sich zumeist im Untergeschoß ab, manchmal in hutzeligen Gewölbekellern, in die Bäcker und Maschinen so gerade hineinpassen. Kommen noch Besucher wie wir hinzu, dann geht fast nichts mehr in der Backstube. Und doch enstehen hier die tollen Brote, für die die französische Backkunst berühmt ist.

Verabredet waren wir um 7 Uhr morgens am Place de la Nation im Nordosten der Innenstadt. Wir waren wegen des Berufsverkehrs schon um 5 Uhr in unserer Unterkunft aufgebrochen und hatten unsere Wagen um 6.30 Uhr sicher und vor allem wieder auffindbar geparkt. So sah es an unserem Treffpunkt aus:

Paris1

Paris2

Dann traf David mit seinem Wagen ein und es ging los zur ersten Station, direkt ins absolute Zentrum der Stadt zum Centre Pompidou.

1.
“Huré – Createur de Plaisirs”
18, Rue Rambuteau, 3e Arr., am Centre Pompidou, Nebengasse

Auch wenn der Name der Bäckerei im Deutschen etwas anrüchig klingt (was für einiges Gelächter unter uns vier Herren sorgte), habe ich hier die mit Abstand schönsten Patisserie-Waren des Tages gesehen. Was dort in der Auslage lag, hat die Grenze zur Kunst längst überschritten. Fast zu schade, so etwas Schönes zu verspeisen. Die Backstube ist direkt hinter dem Verkaufstresen und so beengt, daß nur zwei von uns überhaupt hineinkamen. Während David und Michael sich dort unterhielten, konnte ich nicht widerstehen, meine ersten Einkäufe (Eclairs) zu tätigen, für die meine Frau noch heute schwärmt.

Paris5

So etwas kann man ohne Zweifel als Kunst bezeichnen
Paris4

Auch die Brote konnten sich sehen lassen.
Paris3

2.
Boulangerie Du Pain et Des Idées
34, Rue Yves Toudic, 10ème Arr., Nebengasse am Canal St. Martin

Hier war es so voll von Kundschaft, daß wir keine Chance hatten, in die Backstube vorzudringen. Das Personal war vollends damit beschäftigt, des Andrangs Herr zu werden. Ist ja ein gutes Zeichen bekanntlich, und die verschiedensten Auszeichnungen sprechen auch ihre eigene Sprache. Wie David zu berichten wußte, ist diese Bäckerei eine der wenigen, die ihren Hauptumsatz mit Brotlaiben macht und weniger mit Baguettes. Viele der Käufer verließen den Laden gut “bepackt”.

Paris6

3.
“Liberté Patisserie Boulangerie”
a) 39, Rue des Vinaigriers, 10ème Arr.

Wieder etwas weiter außerhalb, nicht unweit der vorherigen Bäckerei liegt die Bäckerei “Liberté”, also “Freiheit”. Hier herrscht ein ganz anderer Dekorationsstil, sehr schlicht gehalten mit an Rohbau erinnernden Wänden und einfacher Ausstattung, dazu moderne House-Musik in Endlosschleife. Die Backwerke sahen wunderbar aus. Unter Begleitung von Benoît Castel, einem der wenigen Inhaber mehrerer Bäckereien der Stadt, tauchten wir in die wirklich winzige Backsstube im Untergeschoß ab. Ein L-förmiger Gewölbekeller, in den so gerade die Maschinen und Bäcker passten. Unfasslich, was trotzdem hier geschaffen wird.

Paris7

Paris10

Im Gewölbekeller, in der einen Nische der obligatorische Gabelkneter, voll mit Baguetteteig…
Paris9

Gleich nebenan der brüllendheiße Backofen…
Paris8

b) 150, Rue de Ménilmontant – 20ème Arr.
Benoît Castel bat uns nach der Besichtigung der ersten Backstube, doch noch zu seiner zweiten Bäckerei zu fahren. Ganz in der Nähe des berühmten “Père Lachaise”-Friedhofs in einer ruhigeren Gegend liegt eine der wenigen Holzofenbäckereien von Paris. Dort gibt es zwar die gleichen Brote wie in den anderen Bäckereien des Inhabers auch, aber größtenteils aus dem Holzbackofen.
Benoît nahm sich hier viel Zeit, uns alles zu zeigen und leitete auch eine Verkostung der Brote und Patisserie-Artikel. Konditormeister Wolfgang war – wie wir anderen auch – hingerissen von den kleinen süßen Leckereien. Wir hielten uns mehr als eine Stunde in dieser tollen Bäckerei auf. Mein zweiter Einkauf wurde fällig: Croissants und Croissants au chocolat mußten mit. Diese leckeren Dinger wurden am nächsten Tag von meinen Praxismitarbeiterinnen mit großem Genuß verspeist.

Der in Barcelona gefertigte riesige Holzbackofen
Paris11

Schlicht – aber schön und vor allem appetitanregend: der Verkaufsraum
Paris12

Benoît Castel und David Bourgeois in Diskussion vertieft, ob Michael alles versteht?
Paris13

Paris14

Paris15

Wiederum im Keller: die Produktion
Paris16

Paris17

Die Verkostung der Brote und Süßwaren…
Paris18

Paris19

Paris20

Danach ging es zum Abschluß in die südliche Innenstadt.

4.
Dominique Saibron
77 Avenue du Général Leclerc, 14. Arr.

Das absolute Highlight, was die Qualität der Baguettes und des Brotes anging: Dominique Saibron. Diese Bäckerei war die größte unseres Besuchs und ist eine der berühmtesten der Stadt. Der Inhaber hat inzwischen eine Filiale in Tokio eröffnet und ein Buch darüber geschrieben, wie ihm das gelungen ist. Hier wird trotz voller Verkaufsräume und viel Laufkundschaft kein Kompromiss bei der Qualität gemacht. Wie wir uns überzeugen konnten, wird der meiste Platz in den Backstuben auf die kühle Lagerung der Teige und Teigwaren verwendet, damit diese ein Maximum an Geschmack erlangen.
Das macht sich geschmacklich bemerkbar: Hier habe ich die besten Baguettes und Croissants der ganzen Reise probiert. Für mich ein absolutes Muß-Reiseziel für den brotinteressierten Paris-Besucher.
Aber auch die Patisserie-Waren waren zum Schwärmen.

Paris21

Paris22

Paris23

Paris24

Paris25

In der Backstube lief die Baguette-Produktion ohne Unterlaß, “kalte” Baguettes kann man hier nicht bekommen.

Paris26

Paris27

Paris28

Meisterhaft wurde eingeschnitten, so schnell, daß die Hand kaum zu sehen war.

Paris29

Paris30

Paris31

Und zuguterletzt die Brotverkostung mit dem Chef, Dominique Saibron persönlich.

Paris32

Danach endete unser Ausflug. Voll von Eindrücken machte ich mich auf die Heimfahrt, die ich glücklicherweise nicht allein antreten mußte. Um seine Heimfahrt zu verkürzen, habe ich Meister Wolfgang Heyderich bis zum Münsteraner Hauptbahnhof mitgenommen. So verging die Fahrt wie im Fluge.
Das war ein tolles Erlebnis, für das ich Schelli nochmals in aller Form danken möchte.

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 2.632 Followern an